Meine Stadt nachts

Ich kletterte nachts aufs Dach, um Bilder dieser Stadt zu machen. Trotz Taschenlampe war’s mühsam, denn Kamera, Stativ, sonstiges Kamerazeugs und eben die Lampe wollten mit mir die kleinen Leitern hoch. Oben angekommen, steigerte sich mein mulmiges Gefühl, als ich ein geheimnisvolles Pfeifen hörte, das sich ständig wiederholte, alle paar Sekunden. Dann hörte ich aus der Ferne immer mehr solche Geräusche. Es sind Fahrradfahrer, die zu späten Stunden durch die Quartiere kurven und pfeifen.

„Vigia Noturno“ nennt sich das, liess ich mir später sagen. Sie rufen die Polizei, wenn sie Einbrüche oder andere kriminelle Taten beobachten. Gut zu wissen, dass jemand durch die Gassen kurvt. Wir Quartierbewohner fühlen uns wohler wenn es pfeift.

Gefesselt von den Beobachtungen und Kamera-Spielereien, vertrieb ich zuviel Zeit auf dem Dach – mindestens aus Sicht meiner Lady, die so ungeduldig wurde, dass sie leise mit Leintuch über dem Kopf auf’s unbeleuchtete Dach stieg, um mir einen Schrecken inkl. 5 Minuten Hühnerhaut einzujagen. Mit Erfolg, natürlich.

Auf jedenfall habe ich mir heute ein Fahrrad gekauft. Ich war ein paar Tage unentschlossen, aber als ich heute das Taxi wiedergefunden habe, das mich mal für eine kurze Strecke mitnahm und meine Kamera immernoch unter dem Beifahrersitz lag, dachte ich fröhlich „Ah ja!“ und schlug zu. Muss nur noch zusammengebaut werden, das Velo, und ein Schloss muss her. Vielleicht leiste ich mir dann doch auch eine Pfeife, um die Gangster zu verjagen, wenn ich nachts unterwegs bin.

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