Same but Different: Troco, das gesuchte Kleingeld

Kleines HausIm Ausland zu wohnen ist anders. Das ist ja auch der Grund im Ausland zu wohnen oder für einige Leute eben nicht. Täglich fallen mir Kleinigkeiten auf, die eben anders sind. Meistens freue ich mich darüber, weil es anders ist.

Über solche Unterschiede möchte ich ab und zu in der Kategorie „Anders“ schreiben. Ich vergleiche nicht ganz Brasilien mit der ganzen Schweiz, sondern mein aktuelles Umfeld mit dem Umfeld das ich zu Hause hatte.

Der grosse Kampf um das Kleingeld

Você tem troco? Hast du Wechselgeld?

Es ist lustig zu beobachten wie das hier mit dem Kleingeld funktioniert. Niemand kann grosse Noten wechseln. Vermutlich aus Sicherheitsgründen. Sogar in den grossen Supermärkten nicht. Hier in der Nähe gibt es einen Supermarkt mit etwa 20 Kassen. Eine Person ist fix eingestellt um von Kasse zu Kasse zu schlendern und Kleingeld zu transportieren. Bezahlt jemand mit einer „grossen“ Note, dann sind bestimmt 5 Personen involviert um umgerechnet etwa 5 Franken Wechselgeld zusammenzukriegen.

Sogar wenn ich mit einer R$ 5-Note etwas kaufe das R$ 3.50 kostet, dann werde ich gefragt, ob ich noch R$ 0.50 habe, um mir eine grosse R$ 2-Note zurückzugeben. Und das ohne zuerst einen Blick in die Kasse zu werfen. Ein Teufelskreis: Es gibt einfach zu wenig Kleingeld und jeder versucht mit allen Mitteln das Kleingeld zu behalten. Ich jetzt auch. Ziehst du mit einer 100-Real Note (etwa CHF 50) durch die Stadt, ist das gleich viel wert wie ohne Geld.

Schon mehrmals bin ich in den Bus gestiegen mit einer R$ 10-Note (CHF 5). Der Bus kostet hier R$ 1.80 für eine Fahrt, egal wie weit. R$ 2.00 im klimatisierten Bus. Mit R$ 10 kann ich hier kein Ticket kaufen. Ich lasse mein Geld beim Kassier, der bei der hinteren Bustüre sitzt und solange meine Note zwischen den Fingern eingeklemmt hält, bis genug Leute mit Kleingeld eingestiegen sind und er wechseln kann. Das Amüsante daran ist, dass es immer so ist. Man sieht es kommen.

Trinkwasser kommt in 20L-Flaschen, die an die Haustüre gebracht werden. Die Telefonistin fragt immer, ob der Wasser-Kurier Wechselgeld mitnehmen muss, um das Minimum an Cash mit sich zu tragen. „Ja, bitte bringen sie 50 Centavos mit.“ Die Flasche kostet R$ 4.50.

Auf der Bank kann man auch wechseln, aber dafür muss man eine Stunde in der Kolonne warten. Bei Kiosken kommt es oft vor, dass das Retourgeld in Form von Kaugummis und Gummitierchen zurückgegeben wird. Das ist wahr!

Die besten Adressen für Wechselgeld sind also nicht die Banken, Läden und Kioske, sondern die kleinen Verkäufer in der Strasse, die Grillspiesse oder raubkopierte DVDs verkaufen (Alle Artikel für je 50 Rappen übrigens.). Die haben lustigerweise Geld bei sich.

Nun wisst ihr hoffentlich, wie dankbar ich meinem Volleyballteam bin, das mir einen grossen Stapel R$ 1-Noten mit auf den Weg gegeben hat. Merci!

1 Kommentar

  1. Veröffentlicht von Sam am 27. Februar 2009 um 12:41

    Das erlebt man in verschiedensten Ländern – mich würde es hier interessieren, was die Leute sagen, weshalb das so ist. Dass man aus Sicherheitsgründen zu grosse Noten nicht dabei haben will, versteht sich, aber wenn es um relativ kleine Beträge geht, – da würde mich interessieren, ob sie einen anderen Grund haben als „es ist einfach so“.

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