Wie gefährlich ist Brasilien?

HandschellenWird über Brasilien geredet, treten ein paar Themen immer wieder auf, die angesprochen werden: Fussball, Capoeira, Bikinis, Dengue Fieber, Caipirinha, Guaraná, Carnaval, Sambaschulen… was noch? Ah, ja, einige fragen noch, ob die Landessprache Spanisch sei. Nein, übrigens. Ein weiteres grosses Thema, das niemand weglässt: Wie gefährlich ist Brasilien? Um nicht nur über das fröhliche Strandleben zu berichten, schneide ich hier mal das unangenehme Thema „Kriminalität“ an.

Wenige Tage bevor wir in Rio de Janeiro am Strand Copacabana Silvester feierten, wurden symbolisch Kokosnusse in den Sand gelegt. Für 2007 und 2008 lag für jeden Ermordeten in der Stadt Rio de Janeiro eine Kokosnuss am Strand. 16’000 waren es total, eine beeindruckende Zahl. Siehe Foto. Macht man die Rechnung, dann werden in dieser Stadt pro Tag mehr als 20 Menschen ermordet, also fast stündlich eine Person. In ganz Brasilien werden jährlich etwa 50’000 Menschen ermordet.

Hier in João Pessoa ist es zum Glück etwas „tranqüilo“. Klar gibt es Kriminalität, bestimmt mehr als in Zürich oder Oberlunkhofen, aber diese ist aus meiner Sicht nicht sehr beängstigend. Wenn etwas geschieht, dann sind es ganz arme Leute, die Geld brauchen. (Diese Menschen gibt es in der Schweiz ganz einfach nicht.) Spielt man nach den Regeln der Vernunft, so kann man grössere Probleme vermeiden: “ Siehst du plötzlich eine Pistole aus der unangenehmeren Perspektive, so nimm dein Geld hervor und strecke es nach vorne aus.“ Vorher solltest du allerdings die Regel „Was du dabei hast, kannst du verlieren.“ beachten.

Bei unserem Hausstrand wurde vor unseren Augen eine ältere Frau von 3 Jugendlichen überfallen. Handtasche und Fahrrad waren im Visier. Etwas riskant aber geschickt hat sich diese Dame nicht an die Regeln gehalten und hielt zwei der drei Kids an den Armen fest, während sie nach Hilfe rief. Glücklicherweise hat es geklappt und die Polizei traf bald ein und konnte die Kids festnehmen. Dieses Vorgehen ist zwar gut für das Ego, aber nicht unbedingt zu empfehlen…

Vor ein paar Tagen wurde um etwa sieben Uhr abens in unserem Quartier der Stadtbus 601, unmittelbar bevor wir einstiegen, bewaffnet überfallen. Weil der Ticketverkäufer einfach alles Geld kommentarlos rausgegeben hat – die Passagiere wurden nicht beraubt – kam es zu keinen weiteren Problemen, ausser dass er kein Wechselgeld mehr hatte und wir somit R$ 2.00 statt R$ 1.80 für unsere Fahrkarte bezahlen mussten.

Exakt zwei Tage später wurde der gleiche Bus wieder überfallen, was übrigens nicht oft vorkommt. Diesmal war ein ziviler Polizeibeamte an Bord. Dieser versuchte den Überfall zu verhindern. Das Resultat: Der Bus wurde trotzdem überfallen, nur der Polizist verliess den Bus mit den Füssen voraus und einer Kugel in der Brust. Immerhin Richtung Kankenhaus und nicht Friedhof. (Brasilien habe anscheinend weltweit die beste medizinische Hilfe bei Schussverletzungen – sehr beruhigend.)

Man sagt hier, glaubwürdig übrigens, die Morde seien immer in Verbindung mit massiv ausgeuferte Streitereien unter Betrunkenen, Leute die sich bei Überfällen wehren oder einmischen und mit dem Kampf zwischen Polizei und Drogenbanden (>80% der Morde) oder dieser Banden untereinander. Ich zähle mich zu keiner dieser Kategorien, also sehe ich trotz hoher Rate an Kriminalität, Vogelspinnen und Skorpionen ein deutlich niedrigeres Risiko als an einem Schweizer Festival oder Sportanlass Fussballanlass. Also widme ich mich jetzt wieder der positiven Seite des Nordostens und geniesse die Sonnenstrahlen mitten in der Regenzeit, bei kühlen 29°C. Hoffentlich wird es gegen Mittag wärmer.

2 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Sam II am 29. Mai 2009 um 7:25

    … danke für die schleichwerbung:)

  2. Veröffentlicht von Sam Steiner am 18. Juni 2009 um 14:14

    Hier ein kleiner Trick, damit die Kamera bei einem Überfall nicht mitgenommen wird: hässlich machen, das Ding!

    http://lifehacker.com/5259519/deter-thieves-by-uglifying-your-camera

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