Starke Jungs, aber nicht die Schlausten

Tja, ich weiss, ich sehe gefährlich aus. Aber trotzdem hat es die Polizei etwas übertrieben.

Mit einem Alternativo (privates, fast legales Taxi) fuhren wir von João Pessoa nach Recife. Auf der Fahrt stand plötzlich ein schwerbewaffneter Polizist auf der Strasse und machte deutlich, dass Weiterfahren keine Option sei. Ich musste sofort aussteigen, die Hände auf das Autodach legen und nach unten schauen. Ein Freund und Helfer stand bereit neben mir, mit dem Finger am Abzug während der andere mich etwa fünf mal nach einer Waffe absuchte. Ein dritter leerte mein ganzes Gepäck aus und die letzten zwei dieser Sorte schauten meinen Pass an und diskutierten laut genug, wie sie mir Angst einjagen könnte, damit ich versuche, sie zu bestechen. Sie kamen auf die glorreiche Idee, mir mit finsterem Blick mitzuteilen, dass ich illegal im Land sei und ins Gefängnis müsse.

Liebe Polizisten, die Idee finde ich gut, aber wenn einer mit weissem Gesicht daherkommt, heisst es noch nicht, dass er kein Wort versteht. Vorallem nicht, wenn er seit 10 Minuten mit zwei Polizistenkollegen Portugiesisch spricht.

Okay, dieser Job ist hart. Diese Männer verdienen wenig und riskieren fast täglich ihr Leben. Aber ein wenig schlauer ginge auch…

Der Witz an der Sache ist, dass ich nicht sicher bin, dass es die bessere Entscheidung war, nichts zu geben. Wie hätte ich reagiert, hätte mich jemand freundlich gefragt, ob ich lieber 10 Franken bezahlen würde als eine Viertelstunde breitbeinig vor einem Auto zu stehen, von einem schlechtgelaunten Muskelprotz unsanft abgetastet zu werden, seitlich von einem bulletproof-gekleideten Beamten in Lucky Luke-Stellung und den anderen Passagieren des Alterantivos begafft zu werden, während die Zeit davon läuft, in Recife rechtzeitig für einen Inlandflug einzuchecken…

Hinterlassen Sie einen Kommentar





eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.