Civil War: 1000 Gute Gründe dafür

Gestern feierte ich nach ca. 400 Tagen meinen letzten Tag Zivildienst. Für immer.

Ich fand es amüsant, dass genau an diesem letzten Tag ein lustiges Grüppchen zufällig gemeinsam auf den Bus wartete:

  • Ein Soldat im Tarnanzug
  • Ein Zivilschützer
  • Ich als Zivildienstler

Mir kam der Gedanke, dass vermutlich keiner dieser drei mit einem der anderen tauschen würde, wenn er dürfte (es wusste ja keiner, dass es mein letzter Tag war). Automatisch fragt man sich, welche Wahl nun die beste ist, Militärdienst, Zivilschutz oder Zivildienst. Vorneweg: Es ist der Zivildienst. (Ausser mal will möglichst kurz, dann gewinnt der Zivildienst)

Denkt an eure Kinder!

Viele Leser sind dafür schon zu alt, aber stopp, dein Sohn wird davon profitieren können, wenn du weiter liest!

Hier sind nämlich gegen 1000 leicht verständliche Gründe aufgelistet, warum ich den Zivildienst gegenüber dem Militärdienst empfehle:

1. Du schläfst mit wem du willst (Militär – Zivi 0:1)

Niemand sagt dem Zivi, wann Nachtruhe ist, auf welcher Seite des Bettes das Kopfkissen sein muss und mit wem das Zimmer geteilt werden muss. Du kannst eigentlich immer nach Hause, Ausnahme sind ein paar wenige Einsatzbetriebe, zum Beispiel Bergbauernhöfe. Fälle von Massenzimmern mit 20 schnarchenden und schwitzenden Buben im gleichen Raum sind mir nicht bekannt.

2. Kein Dresscode (Militär – Zivi 0:2)

In den meisten Einsatzbetrieben kann ich selber wählen wie ich mich anziehe. Für einige ist dies vielleicht mehr eine Überforderung als eine Freiheit, für alle anderen sei der Zivildienst empfohlen. Nicht alle sind modebewusst, aber die meisten ziehen sich gerne zweckmässig an. Darf man in der Armee an heissen Tagen mit Bermudas und Flipflops ins Gelände?

3. Disziplin (Militär – Zivi 1:2)

Im Militär lernt man Disziplin. Sollte im Tram ein Fahrgast „50 Rumpfbeugen! Jetzt!“ rufen, dann hätte der Armee-Jünger kein Problem damit, dies sofort hinter sich zu bringen, während der Zivi einfach im Zug weiterfährt und es gut findet, dass „besondere“ Personen sich ebenfalls frei in der Stadt bewegen dürfen, auch wenn sie ab und Zusammenhangloses in die Welt raus schreien. Dies kann wirklich ein Vorteil sein! Also ist dies ein klarer Sieg und somit der Anschlusstreffer für die Getarnten Freunde.

4. Eigeninitiative bzw. Hirndurchblutung (Militär – Zivi 1:3)

Hingegen bei der Suche des Einsatzbetriebs gewinnt der Zivildienst gegen die Armee: Man lernt, einen Job zu suchen, sich vorzustellen und so weiter. Man bekommt ein Arbeitszeugnis und kann so erleben, wie das in der richtigen Welt so läuft. Auch wenn in leicht vereinfachter Form.

Ausserdem kann man schnuppern, wie geeignet man in anderen Branchen wäre. Im Umweltschutz-Bereich, im Gesundheitswesen, in der Kulturbranche oder im Sozialwesen zu arbeiten. erweitert nicht nur den Horizont, sondern es hat schon einige Überläufer gegeben. Fans es selber gut, 4 Monate im Sozialbereich zu arbeiten und den Unterschied zur „produktiven“ Industrie wahrzunehmen.

Weiter unter Eigeninitiative läuft, dass man selber den Zeitpunkt und die Länge des Einsatzes wählen kann. Was das für Vorteile bringen kann, kann sich vermutlich jeder vorstellen.

5. Finanzen (Militär – Zivi 1:4)

Sowohl im Militär wie auch im Zivildienst bekommt man während dem Dienst Erwerbsersatz. Das sind 80%(?) des Lohnes bzw. bei grosszügigen Arbeitgebern der normale Lohn. Im Zivildienst bekommt man aber zusätzlich einige Spesen für Unterkunft, Essen und Fahrten, weil dies oft vom Einsatzbetrieb nicht angeboten werden. So habe ich immer monatlich etwa CHF 1500 zum normalen Lohn zusätzlich erhalten. Merci.

Ah ja, und bei langen Einsätzen wird auch die Krankenkasse unterbrochen, weil man sonst doppelt versichert wäre. Ich gehe davon aus, dass das in der Rekrutenschule auch so ist, aber in WKs wegen der Dauer nicht.

6. Dauer (Militär – Zivi 2:4)

Apropos Dauer. Der Zivildienst dauert länger. Da gibt’s nichts zu diskutieren. Als ich einstieg, waren es 1.5x so lange wie der Militärdienst.

Obwohl ich hier den Punkt an die Army gebe, würde ich mich auch beim Verhältnis 10:1 nicht für das Militär entscheiden. Unter anderem aus folgenden Gründen:

  • Ich mache lieber länger etwas, das mir Spass macht und ich als sinnvoll erachte, als… [die Alternative]
  • Es waren bei mir 1.5x soviele Tage wie Militär.
  • Finanziell ist der Zivildienst nicht gerade unattraktiv

Fazit

Wie man vielleicht merkt, würde ich wieder den Zivildienst wählen, wenn ich nochmals vor der Wahl stünde. Aber was mich verunsichert ist, dass ich ganz ehrlich die Leute nicht verstehe, die noch Militärdienst leisten. (Ausnahme sind zum Beispiel Piloten, die sich im Militär auch ausbilden lassen können.) Warum einen Tag ins Militär, wenn man die Alternative Zivildienst hat? Der Militärmensch an der Bushaltestelle hat sich für das Militär entschieden. Warum?

2 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Greyowl am 3. Oktober 2010 um 9:01

    Bemerkenswert: Kein Argument bezieht sich auf politische oder ideologische Fragen, Staatskunde (Eroberungsdrang vs. Pazifismus), Volkswirtschaft („Wir müssen unsere Waffenindustrie unterstützen! Denkt an die massive Arbeitslosigkeit, wenn wir keine Munitiion mehr verpulfern!“), oder das Pro und Kontra von Gewalt („Wir kämpfen für den Frieden“) und Verhandlung (Komm, rauchen wir zusammen die Friedenspfeife“), um Konflikte zu bewältigen…

  2. Veröffentlicht von chlori am 3. Oktober 2010 um 20:41

    Gute Bemerkung – schwierig zu antworten. Das Weglassen der Ideologie war nicht mal bewusst – vielleicht weil diese ideologische Entscheidung doch einige Jahre her ist. Ausserdem gehe ich nicht davon aus, dass viele Blogleser hier Pro-Militär sind. Und wer Pro-Militär ist, den kann man nicht mit ein paar Argumenten im Blog zu einer Meinungsänderung bringen, denke ich.

    Als ich mich noch für den Zivildienst „bewarb“, musste ich durch die sogenannte Gewissensprüfung. Dazu musste ich ein Gesuch einreichen (mein Gesuch war über 10 A4-Seiten) und eine Anhörung überstehen. Dies ist heute nicht mehr so.

    Den Sinn der Schweizer Armee im Blog zu diskutieren wäre nicht gut möglich und würde auch keinen Spass machen. Dazu bräuchte es sowieso keinen ganzen Blogpost 🙂

    Vielleicht richtet sich dieser Post an Personen, die nicht hinter dem Militär stehen, aber einfach zu bequem sind auszusteigen. Ich gehe sogar davon aus, dass die wenigsten, die im Militär sind, das Militär als sinnvoll erachten. Man macht es einfach.

    Dazu kommt, dass ich oft Leute hör(t)e, die über die Umstände im Militär meckern. Sie „müssen“ in einen WK… Quatsch, niemand muss in einen WK! Das ist absolut freiwillig und man hat jederzeit die Möglichkeit auszusteigen.

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